Ludwig Uhland Das Schifflein (1810)

  Ein Schifflein ziehet leise
  Den Strom hin seine Gleise.
  Es schweigen, die drin wandern,
  Denn keiner kennt den andern.

5 Was zieht hier aus dem Felle
  Der braune Weidgeselle?
  Ein Horn, das sanft erschallet;
  Das Ufer widerhallet.

  Von seinem Wanderstabe
10 Schraubt jener Stift und Habe
  Und mischt mit Flötentönen
  Sich in des Hornes Dröhnen.

  Das Mädchen saß so blöde,
  Als fehlt' ihr gar die Rede,
15 Jetzt stimmt sie mit Gesange
  Zu Horn und Flötenklange.

  Die Rudrer auch sich regen
  Mit taktgemäßen Schlägen.
  Das Schiff hinunterflieget,
20 Von Melodie gewieget.

  Hart stößt es auf am Strande,
  Man trennt sich in die Lande.
  Wann treffen wir uns, Brüder!
  Auf einem Schifflein wieder?

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