Ludwig Uhland Naturfreiheit (1820)

  Leben das nur Leben scheinet,
  Wo nicht Herz, nicht Auge spricht,
  Wo der Mensch zur Form versteinet,
  Machst du ganz mein Herz zunicht?

5 Die mich oft mit Trost erfüllet,
  O Natur, auch du so leer?
  Tief in Schnee und Eis gehüllet,
  Blickst du frostig zu mir her.

  Hör' ich nur ein Waldhorn klingen,
10 Hör' ich einen Feldgesang,
  Rühret gleich mein Geist die Schwingen,
  Fühlt der Hoffnung frischen Drang.

  O Natur, voll Muttergüte,
  Gib doch deine Kinder frei,
15 Sonnenstrahl und Quell und Blüte,
  Daß auch ich gerettet sei.

  Mit den Lüften will ich schweifen,
  Rauschend durch den grünen Hain,
  Mit den Strömen will ich schweifen,
20 Schwimmend in des Himmels Schein.

  In der Vögel Morgenlieder
  Stimm' ich frei und fröhlich ein:
  Alle Menschen sollen Brüder,
  Du, Natur, uns Mutter sein!

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