Max von Schenkendorf Freiheit (1813)

  Freiheit, die ich meine,
  Die mein Herz erfüllt,
  Komm mit deinem Scheine,
  Süßes Engelbild!

5 Magst du nie dich zeigen
  Der bedrängten Welt?
  Führest deinen Reigen
  Nur am Sternenzelt?

  Auch bei grünen Bäumen
10 In dem lust'gen Wald,
  Unter Blütenträumen
  Ist dein Aufenthalt.

  Ach! das ist ein Leben,
  Wenn es weht und klingt,
15 Wenn dein stilles Weben
  Wonnig uns durchdringt.

  Wenn die Blätter rauschen,
  Süßen Freundesgruß,
  Wenn wir Blicke tauschen,
20 Liebeswort und Kuß.

  Aber immer weiter
  Nimmt das Herz den Lauf.
  Auf der Himmelsleiter
  Steigt die Sehnsucht auf.

25 Aus den stillen Kreisen
  Kommt mein Hirtenkind,
  Will der Welt beweisen,
  Was es denkt und minnt.

  Blüht ihm doch ein Garten,
30 Reift ihm doch ein Feld
  Auch in jener harten
  Steinerbauten Welt.

  Wo sich Gottes Flamme
  In ein Herz gesenkt,
35 Das am alten Stamme
  Treu und liebend hängt;

  Wo sich Männer finden,
  Die für Ehr' und Recht
  Mutig sich verbinden,
40 Weilt ein frei Geschlecht.

  Hinter dunklen Wällen,
  Hinter ehrnem Tor
  Kann das Herz noch schwellen
  Zu dem Licht empor;

45 Für die Kirchenhallen,
  Für der Väter Gruft,
  Für die Liebsten fallen,
  Wenn die Freiheit ruft.

  Das ist rechtes Glühen,
50 Frisch und rosenrot:
  Heldenwangen blühen
  Schöner auf im Tod.

  Wollest auf uns lenken
  Gottes Lieb' und Lust,
55 Wollest gern dich senken
  In die deutsche Brust.

  Freiheit, holdes Wesen,
  Gläubig, kühn und zart,
  Hast ja lang erlesen,
60 Dir die deutsche Art.

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