Nikolaus Lenau An die Wolke (1831)
Zieh' nicht so schnell vorüber
An dieser stillen Heide,
Zieh' nicht so scheu vorüber
An meinem tiefen Leide,
5 Du Wolke in der Höh',
Steh still bei meinem Weh!
Und nimm auf deine Reise
Mit fort zu ihr die Kunde:
Mein Herz, die arme Waise,
10 Verblutet an der Wunde,
Die mir durch ihren Trug
Die Ungetreue schlug.
Und kommst auf deinen Wegen
Du an vor ihrem Hause,
15 So stürze dich als Regen
Herunter mit Gebrause,
Daß sie bei dunkler Nacht
Aus ihrem Traum erwacht.
Schlag' an die Fensterscheibe,
20 Und schlag an ihre Thüre,
Und sey dem falschen Weibe
Ein Mahner an die Schwüre,
Die sie mir weinend sprach,
Und die sie lächelnd brach.
25 Und will sie das nicht hören,
So magst von deinem Sitze,
Du, Donner, dich empören;
Dann rüttelt, all' ihr Blitze,
Wenn ihr vorüberzieht,
30 An ihrem Augenlied!
Bibliographische Daten
Nikolaus Lenau (1802-1850)
An die Wolke
Zieh' nicht so schnell vorüber …
1831
Spätromantik
Neuen Kommentar hinzufügen
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

PDF

