Nikolaus Lenau Der leidige Frieden (1829)
Der leidige Frieden
Hat lange gewährt,
Wir warten geschieden,
Mein gutes Schwert!
5 Derweil ich gekostet
Im Keller den Wein,
Hingst du verrostet
An der Wand allein.
Von Sorte zu Sorte
10 Probiert' ich den Wein,
Indessen dorrte
Das Blut dir ein.
Ist endlich entglommen
Der heiße Streit,
15 Mein Schwert, und gekommen
Ist deine Zeit.
Ich geb' deiner Klingen
Den blanken Schliff,
Ich lasse dich singen
20 Den Todespfiff,
Im Pulvernebel
Die Arbeit rauscht,
Wir haben, o Säbel,
Die Freuden getauscht.
25 Im brausenden Moste,
Mein durstiges Erz,
Betrinke dich, koste
Von Herz zu Herz;
Derweil du kostet
30 Das rote Blut,
Ist mir eingerostet
Der Hals vor Glut.
Bibliographische Daten
Nikolaus Lenau (1802-1850)
Der leidige Frieden
Der leidige Frieden …
1829
Spätromantik
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