Nikolaus Lenau Traumgewalten (1838)

  Der Traum war so wild, der Traum war so schaurig,
  So tief erschütternd, unendlich traurig.
  Ich möchte gerne mir sagen:
  Daß ich ja fest geschlafen hab',
5 Daß ich ja nicht geträumet hab',
  Doch rinnen mir noch die Thränen herab,
  Ich höre mein Herz noch schlagen.

  Ich bin erwacht in banger Ermattung,
  Ich finde mein Tuch durchnäßt am Kissen,
10 Wie man's heimbringt von einer Bestattung;
  Hab' ich's im Traume hervorgerissen
  Und mir getrocknet das Gesicht?
  Ich weiß es nicht.

  Doch waren sie da, die schlimmen Gäste,
15 Sie waren da zum nächtlichen Feste.
  Ich schlief, mein Haus war preisgegeben,
  Sie führten darin ein wüstes Leben.
  Nun sind sie fort, die wilden Naturen;
  In diesen Thränen find' ich die Spuren,
20 Wie sie mir Alles zusammengerüttet,
  Und über den Tisch den Wein geschüttet.

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