Otto Friedrich Gruppe Der Feldherr (1833)
O laß, Geliebter, dich erflehen,
Geh, nicht zur pesterkrankten Stadt,
Ich hab' ein Traumbild Nachts gesehen,
Das mich zum Tod erschrecket hat."
5 Mein Lieb, der Feldherr darf nicht wanken,
Er teilt des Heers Gefahr und Not,
Mich schützt mein Stern vor dem Erkranken,
Gebieten will ich diesem Tod."
So ritt er durch Kairo's Gassen,
10 Ein Trost zu sein dem siechen Heer;
Wo er die Seinen sieht erblassen,
Geht er von Bett zu Bett umher.
Er reicht die Hand den Kriegskam'raden,
Die schon die Seuche graß entstellt,
15 Und geht dafür, mit Heil beladen,
Wie im Triumph daher, der Held.
Und unversehret kehrt er wieder,
Vor die Geliebte tritt er hin:
Nun sieh, ob kranken meine Glieder,
20 Nun sieh, ob ich verpestet bin?
Um seinen Hals fällt mit Verlangen
Die schöne blühende Gestalt;
Doch bald erscheint auf ihren Wangen,
Der starre Tod, verstört und kalt.
25 Er aber sammelt die Soldaten,
Die Segel wehn im Winter schon,
Er steigt, nach wunderbaren Taten,
Mit dreistem Fuß auf Frankreichs Thron.
Bibliographische Daten
Otto Friedrich Gruppe (1804-1876)
Der Feldherr
O laß, Geliebter, dich erflehen, …
1833
Spätromantik
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