Paul Gerhardt Befiehl du deine Wege (1654)

  Befiehl du deine Wege,
  und was dein Herze kränkt,
  der allertreusten Pflege
  des, der den Himmel lenkt.
5 Der Wolken Luft und Winden
  gibt Wege, Lauf und Bahn,
  der wird auch Wege finden
  da dein Fuß gehen kann.

  Dem Herren musst du trauen,
10 wenn dirs soll wohlergehn;
  auf sein Werk musst du schauen,
  wenn dein Werk soll bestehn.
  Mit Sorgen und mit Grämen
  Und mit selbsteigner Pein
15 lässt Gott sich gar nichts nehmen,
  es muss erbeten sein.

  Dein ewge Treu und Gnade,
  o Vater, weiß und sieht,
  was gut sei oder schade
20 dem sterblichen Geblüt;
  und was Du dann erlesen,
  das treibst Du, starker Held,
  und bringst zum Stand und Wesen,
  was Deinem Rat gefällt.

25 Weg hast Du allerwegen,
  an Mitteln fehlt Dirs nicht;
  Dein Tun ist lauter Segen,
  Dein Gang ist lauter Licht;
  Dein Werk kann niemand hindern,
30 Dien Arbeit darf nicht ruhn,
  wenn Du, was Deinen Kindern,
  ersprießlich ist, willst tun.

  Und ob gleich alle Teufel
  hier wollten widerstehn,
35 so wird doch ohne Zweifel
  Gott nicht zurücke gehn.
  Was er sich vorgenommen
  und was er haben will,
  das muss doch endlich kommen
40 zu seinem Zweck und Ziel.

  Hoff, o du arme Seele,
  hoff und sei unverzagt!
  Gott wird dich aus der Höhle,
  da dich der Kummer plagt,
45 mit großen Gnaden rücken,
  erwarte nur die Zeit,
  so wirst du schon erblicken
  die Sonn der schönsten Freud.

  Auf, auf! Gib deinem Schmerze
50 Und Sorgen gute Nacht!
  Lass fahren, was dein Herze,
  betrübt und traurig macht!
  Bist du doch nicht Regente,
  der alles führen soll,
55 Gott sitzt im Regimente
  und führet alles wohl.

  Ihn, ihn lass tun und walten,
  er ist ein weiser Fürst
  und wird dich so verhalten,
60 dass du dich wundern wirst,
  wenn er, wie ihm gebühret,
  mit wunderbarem Rat
  das Werk hinausgeführet,
  das dich bekümmert hat.

65 Er wird zwar eine Weile
  mit seinem Trost verziehn
  Und tun an seinem Teile,
  als hätt in seinem Sinn
  er deiner sich begeben,
70 und sollst du für und für
  in Angst und Nöten schweben,
  als fragt er nichts nach dir.

  Wird's aber sich befinden,
  dass du ihm treu verbleibst,
75 so wird er dich entbinden,
  da du's im mindsten gläubst.
  Er wird dein Herze lösen
  Von der so schweren Last,
  die du zu keinem Bösen
80 bisher getragen hast.

  Wohl dir, du Kind der Treue!
  Du hast und trägst davon
  Mit Ruhm und Dankgeschreie
  Den Sieg, die Ehrenkron.
85 Gott gibt dir selbst die Palmen
  In deine rechte Hand,
  und du singst Freudenpsalmen
  dem, der dein Leid gewandt.

  Mach End, o Herr, mach Ende
90 mit aller unsrer Not,
  stärk unsre Füß und Hände
  und lass bis in den Tod
  uns allzeit Deiner Pflege
  und Treu empfohlen sein,
95 so gehen unsre Wege
  gewiß zum Himmel ein!

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.