Rainer Maria Rilke Herr, du kommst und gehst (1903)
Du kommst und gehst.
Die Türen fallen viel sanfter zu,
fast ohne Weh'n.
Du bist der Leiseste von allen,
5 die durch die leisen Häuser gehen.
Man kann sich so an dich gewöhnen,
dass man nicht aus dem Fenster schaut,
wenn seine Bilder sich verschönen,
von deinem Schatten überblaut.
10 Oft wenn ich dich in Sinnen sehe
Verteilt sich deine Allgestalt.
Du gehst wie lauter lichte Rehe.
Und ich bin dunkel und bin Wald.
Du bist ein Rad
15 An dem ich stehe;
Von deinen vielen dunklen Achsen
Wird immer wieder eine schwer
Und dreht sich näher zu mir her,
und meine willigen Werke wachsen
20 von Wiederkehr zu Wiederkehr.
Bibliographische Daten
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Herr, du kommst und gehst
Du kommst und gehst. …
1903
Symbolismus
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