Rainer Maria Rilke „Ich lese es heraus aus deinem Wort…“ (1899)

  Ich lese es heraus aus deinem Wort
  aus der Geschichte der Gebärden,
  mit welchen deine Hände um das Werden
  sich ründeten, begrenzend, warm und weise.
5 Du sagtest leben laut und sterben leise
  und wiederholtest immer wieder: Sein.
  Doch vor dem ersten Tode kam der Mord.
  Da ging ein Riß durch deine reifen Kreise
  und ging ein Schrein
10 und riß die Stimmen fort,
  die eben erst sich sammelten
  um dich zu sagen,
  um dich zu tragen
  alles Abgrunds Brücke –

15 Und was sie seither stammelten,
  sind Stücke
  deines alten Namens.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.