Rainer Maria Rilke Mach mich zum Wächter deiner Weiten (1903)

  Mach mich zum Wächter deiner Weiten,
  Mach mich zum Horchenden am Stein,
  Gib mir die Augen auszubreiten
  Auf deiner Meere Einsamsein;
5 Laß mich der Flüsse Gang begleiten
  Aus dem Geschrei zu beiden Seiten
  Weit in den Klang der Nacht hinein.
  Schick mich in deine leeren Länder,
  Durch die die weiten Winde gehn,
10 Wo große Klöster wie Gewänder
  Um ungelebte Leben stehn.
  Dort will ich mich zu Pilgern halten,
  Von ihren Stimmen und Gestalten
  Durch keinen Trug mehr abgetrennt,
15 Und hinter einem blinden Alten
  Des Weges gehn, den keiner kennt.

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