Richard Dehmel Die ferne Laute (1908)

  Eines Abends hört' ich im dunkeln Wind
  eine ferne Laute ins Herz mir dringen.
  Und ich nahm die meine im dunkeln Wind,
  die sollte der andern Antwort singen.
5 Seitdem hören nachts die Vögel im Wind
  manch Gespräch in ihrer Sprache erklingen.
  Ich bat auch die Menschen, sie möchten lauschen,
  aber die Menschen verstanden mich nicht.
  Da ließ ich mein Lied vom Himmel belauschen,
10 und da saßen nachts um mein Herzenslicht
  die Unsterblichen mit hellem Gesicht.
  Seitdem verstehn auch die Menschen zu lauschen
  und schweigen, wenn meine Laute spricht.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.