Richard Dehmel Stromüber (1911)

  Der Abend war so dunkelschwer
  und schwer durchs Dunkel schnitt der Kahn.
  Die Andern lachten um uns her
  als fühlen sie den Frühling nahn.

5 Der weite Strom lag stumm und fahl,
  am Ufer floß ein schwankend Licht,
  die Weiden standen starr und kahl.
  Ich aber sah dir ins Gesicht

  und fühlte deinen Atem flehn
10 und deine Augen nach mir schrein
  und eine Andre vor mir stehn
  und heiß aufschluchzend: Ich bin dein!

  Das Licht erglänzte nah und mild;
  im grauen Wasser schwarz, verschwand
15 der starren Weiden zitternd Bild.
  Knirschend stieß der Kahn ans Land.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.