Robert Reinick Mondwandrung (1844)

  »Der Förster ging zu Fest und Schmaus!« –
  Der Wildschütz zieht in den Wald hinaus.

  Es schläft sein Weib mit dem Kind allein,
  Es scheint der Mond in's Kämmerlein.

5 Und wie er scheint auf die weiße Wand,
  Da faßt das Kind der Mutter Hand.

  »Ach, Mutter, wo bleibt der Vater so lang',
  Mir wird so weh, mir wird so bang!«

  »»Kind, sieh nicht in den Mondenschein,
10 Schließ' deine Augen, schlaf' doch ein.««

  Der Mondschein zieht die Wand entlang,
  Er schimmert auf der Büchse blank.

  »Ach Mutter, und hörst den Schuß du nicht?
  Das war des Vaters Büchse nicht!«

15 »»Kind, sieh nicht in den Mondenschein,
  Das war ein Traum, schlaf ruhig ein«« –

  Der Mond scheint tief in's Kämmerlein
  Auf des Vaters Bild mit blassem Schein.

  »Herr Jesus Christus im Himmelreich!
20 O Mutter, der Vater ist todtenbleich!«

  Und wie die Mutter vom Schlummer erwacht,
  Da haben sie todt ihn heimgebracht.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.