Stefan George Leo XIII (1902)

  Heut da sich schranzen und den thronen brüsten
  Mit wechslermienen und unedlem klirren:
  Dreht unser geist begierig nach verehrung
  Und schauernd vor der wahren majestät
5 Zum ernsten väterlichen angesicht
  Des Dreigekrönten wirklichen Gesalbten
  Der hundertjährig von der ewigen burg
  Hinabsieht: schatten schön erfüllten daseins.

  Nach seinem sorgenwerk für alle welten
10 Freut ihn sein rebengarten: freundlich greifen
  In volle trauben seine weissen hände ·
  Sein mahl ist brot und wein und leichte malve
  Und seine schlummerlosen nächte füllt
  Kein wahn der ehrsucht · denn er sinnt auf hymnen
15 An die holdselige Frau · der schöpfung wonne ·
  Und an ihr strahlendes allmächtiges kind.

  »Komm heiliger knabe! hilf der welt die birst
  Dass sie nicht elend falle! einziger retter!
  In deinem schutze blühe mildre zeit
20 Die rein aus diesen freveln sich erhebe ..
  Es kehre lang erwünschter friede heim
  Und brüderliche bande schlinge liebe!«
  So singt der dichter und der seher weiss:
  Das neue heil kommt nur aus neuer liebe.

25 Wenn angetan mit allen würdezeichen
  Getragen mit dem baldachin - ein vorbild
  Erhabnen prunks und göttlicher verwaltung -
  ER eingehüllt von weihrauch und von lichtern
  Dem ganzen erdball seinen segen spendet:
30 So sinken wir als gläubige zu boden
  Verschmolzen mit der tausendköpfigen menge
  Die schön wird wenn das wunder sie ergreift.

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