Theodor Fontane Der alte Zieten (1846)

  Joachim Hans von Zieten,
  Husarengeneral,
  Dem Feind die Stirne bieten
  Er tat's wohl hundertmal;
5 Sie haben's all erfahren,
  Wie er die Pelze wusch
  Mit seinen Leibhusaren,
  Der Zieten aus dem Busch.

  Hei, wie den Feind sie bläuten
10 Bei Hennersdorf und Prag,
  Bei Liegnitz und bei Leuthen
  Und weiter, Schlag auf Schlag;
  Bei Torgau, Tag der Ehre,
  Ritt selbst der Fritz nach Haus,
15 Doch Zieten sprach: »Ich kehre
  Erst noch mein Schlachtfeld aus.«

  Sie kamen nie alleine,
  Der Zieten und der Fritz ,
  Der Donner war der eine,
20 Der andere war der Blitz.
  Es wies sich keiner träge,
  Drum schlug's auch immer ein,
  Ob warm', ob kalte Schläge,
  Sie pflegten gut zu sein. –

25 Der Friede war geschlossen,
  Doch Krieges Lust und Qual
  Die alten Schlachtgenossen
  Durchlebten's noch einmal.
  Wie Marschall Daun gezaudert,
30 Und Fritz und Zieten nie,
  Es ward jetzt durchgeplaudert
  Bei Tisch in Sanssouci.

  Einst mocht' es ihm nicht schmecken,
  Und sieh, der Zieten schlief.
35 Ein Höfling wollt' ihn wecken,
  Der König aber rief:
  »Laßt schlafen mir den Alten,
  Er hat in mancher Nacht
  Für uns sich wach gehalten,
40 Der hat genug gewacht!« –

  Und als die Zeit erfüllet
  Des alten Helden war,
  Lag einst, schlicht eingehüllet,
  Hans Zieten , der Husar.
45 Wie selber er genommen
  Die Feinde stets im Husch,
  So war der Tod gekommen,
  Wie Zieten aus dem Busch.

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