Theodor Storm Abseits (1847)

  Es ist so still; die Heide liegt
  Im warmen Mittagssonnenstrahle,
  Ein rosenroter Schimmer fliegt
  Um ihre alten Gräbermale;
5 Die Kräuter blühn; der Heideduft
  Steigt in die blaue Sommerluft.

  Laufkäfer hasten durch's Gesträuch
  In ihren goldnen Panzerröckchen,
  Die Bienen hängen Zweig um Zweig
10 Sich an der Edelheide Glöckchen;
  Die Vögel schwirren aus dem Kraut –
  Die Luft ist voller Lerchenlaut.

  Ein halbverfallen' niedrig' Haus
  Steht einsam hier und sonnbeschienen;
15 Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
  Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
  Sein Junge auf dem Stein davor
  Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

  Kaum zittert durch die Mittagsruh
20 Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
  Dem Alten fällt die Wimper zu,
  Er träumt von seinen Honigernten.
  – Kein Klang der aufgeregten Zeit
  Drang noch in diese Einsamkeit.

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