Theodor Storm Du glaubtest nicht an frohe Tage mehr (1847)
Du glaubtest nicht an frohe Tage mehr,
Verjährtes Leid ließ nimmer dich genesen;
Die Mutterfreude war für dich zu schwer,
Das Leben war dir gar zu hart gewesen.
5 Er saß bei dir in letzter Liebespflicht;
Noch eine Nacht, noch eine war gegeben!
Auch die verrann; dann kam das Morgenlicht.
»Mein guter Mann, wie gerne wollt' ich leben!«
Er hörte still die sanften Worte an,
10 Wie sie sein Ohr in bangen Pausen trafen:
»Sorg' für das Kind – ich sterbe, süßer Mann.«
Dann halb verständlich noch: »Nun will ich schlafen.«
Und dann nichts mehr; – du wurdest nimmer wach,
Dein Auge brach, die Welt ward immer trüber;
15 Der Atem Gottes wehte durch's Gemach,
Dein Kind schrie auf, und dann warst du hinüber.
Bibliographische Daten
Theodor Storm (1817-1888)
Du glaubtest nicht an frohe Tage mehr
Du glaubtest nicht an frohe Tage mehr, …
1847
Realismus
Neuen Kommentar hinzufügen
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

PDF

