Theodor Storm Oktoberlied (1849)

  Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
  Schenk' ein den Wein, den holden!
  Wir wollen uns den grauen Tag
  Vergolden, ja vergolden!

5 Und geht es draußen noch so toll,
  Unchristlich oder christlich,
  Ist doch die Welt, die schöne Welt,
  So gänzlich unverwüstlich!

  Und wimmert auch einmal das Herz, –
10 Stoß an, und laß es klingen!
  Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
  Ist gar nicht umzubringen.

  Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
  Schenk' ein den Wein, den holden!
15 Wir wollen uns den grauen Tag
  Vergolden, ja vergolden!

  Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
  Doch warte nur ein Weilchen!
  Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
20 Es steht die Welt in Veilchen.

  Die blauen Tage brechen an;
  Und ehe sie verfließen,
  Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
  Genießen, ja genießen!

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