Wilhelm Müller Vineta (1825)

  Aus des Meeres tiefem, tiefem Grunde
  Klingen Abendglocken dumpf und matt,
  Uns zu geben wunderbare Kunde
  Von der schönen alten Wunderstadt.

5 In der Fluten Schoß hinabgesunken
  Blieben unten ihre Trümmer stehn.
  Ihre Zinnen lassen goldne Funken
  Widerscheinend auf dem Spiegel sehn.

  Und der Fischer, der den Zauberschimmer
10 Einmal sah im hellen Abendrot,
  Nach derselben Stelle schifft er immer,
  Ob auch ringsumher die Klippe droht.

  Aus des Herzens tiefem, tiefem Grunde
  Klingt es mir, wie Glocken, dumpf und matt.
15 Ach, sie geben wunderbare Kunde
  Von der Liebe, die geliebt es hat.

  Eine schöne Welt ist da versunken,
  Ihre Trümmer blieben unten stehn,
  Lassen sich als goldne Himmelsfunken
20 Oft im Spiegel meiner Träume sehn.

  Und dann möcht ich tauchen in die Tiefen,
  Mich versenken in den Widerschein
  Und mir ist, als ob mich Engel riefen
  In die alte Wunderstadt herein.

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